Wer haftet bei Unfall, Schaden & Co. mit Hund?
Wer haftet nach einem Hundebiss oder einer Hunderauferei? Welche Rechte hast du als Geschädigter und wie schützt eine Tierhalterhaftpflicht?
Beim Spaziergang mit deinem Hund kann schnell auch mal ein Unfall passieren. Ob ein Biss, eine Rauferei mit anderen Hunden oder Sachschäden, die finanziellen und rechtlichen Folgen sind oft größer als gedacht.
#1 Grundregeln der Hundehaftung
Die zentrale gesetzliche Grundlage für Hundebisse ist im § 833 BGB festgehalten. Sie besagt, dass du als Halter*in grundsätzlich für alle Schäden haftest, die dein Hund verursacht, unabhängig von deinem eigenen Verschulden. Selbst wenn dein Hund bisher noch nie aggressiv war, trägst du die Verantwortung. Diese sogenannte „verschuldensunabhängige Haftung“ schützt zwar die Opfer, stellt aber Halter*innen vor hohe finanzielle Risiken. Wichtig ist, dass du dein Tier immer unter Kontrolle hast, damit Schäden gar nicht erst entstehen. Schon ein Moment Unachtsamkeit kann Folgen haben, besonders wenn Kinder oder andere Hunde beteiligt sind.
#2 Mitverschulden und Verantwortung
Nicht jeder Vorfall ist eindeutig: Manchmal spielen Opfer oder andere Tiere eine Rolle. Wenn sich zeigt, dass das Opfer die Situation teilweise provoziert hat, kann das Mitverschulden die Haftung reduzieren. Dennoch bleibt deine Hauptverantwortung bestehen. Besonders bei Begegnungen mehrerer Hunde oder aggressiver Tiere musst du sicherstellen, dass dein Hund niemanden gefährdet. Die Verantwortung endet nicht bei deinem eigenen Verhalten, sondern umfasst auch die Situation und die Reaktionen aller Beteiligten.
#3 Haftung ohne Versicherung
Hast du keine Tierhalter*innenhaftpflicht, trägst du die Kosten allein. Das umfasst Besuche bei Ärzt*innen, Behandlungskosten, Schmerzensgeld, beschädigte Kleidung oder Gegenstände sowie Verdienstausfälle. Bei schwerwiegenden Fällen kann die Krankenkasse des Opfers die Kosten direkt von dir einfordern. Kommt es zu Streitigkeiten, drohen gerichtliche Schritte oder Lohnpfändungen. Gerade bei schweren Verletzungen summieren sich die Kosten schnell, daher ist eine Haftpflichtversicherung essenziell. Sie schützt dich nicht nur finanziell, sondern erleichtert auch die Regulierung mit Geschädigten.
#4 Tierhalter*innenhaftpflicht und Auslandsschutz
Eine gute Haftpflicht deckt nicht nur Bissverletzungen ab, sondern auch Schäden im Ausland. Wenn du mit deinem Hund reist, greift die Versicherung auch bei Zwischenfällen außerhalb Deutschlands, was gerade im Urlaub wichtig ist. Zudem beachten viele Versicherer die Rasse deines Hundes: Für größere oder als besonders auffällig eingestufte Hunde können höhere Beiträge oder spezielle Bedingungen gelten.
#5 Erste Hilfe bei Hundebiss
Wenn dein Hund jemanden beißt, ist schnelles Handeln entscheidend. Zuerst solltest du den Hund von der verletzten Person entfernen und die Situation sichern. Kleinere Wunden können mit Wasser und Seife gereinigt werden, tiefe Verletzungen sollten leicht verbunden und desinfiziert werden. In jedem Fall ist der Klinikbesuch wichtig, besonders bei Bissen an Händen, Gelenken oder im Gesicht, bei Kindern oder geschwächten Personen. Notiere alle Details, wie Zeug*innen, Impfstatus und Fotos der Verletzung. Bei schwereren Fällen informiere die zuständigen Behörden.
#6 Straf- und zivilrechtliche Folgen
Wenn dein Hund jemanden verletzt, musst du grundsätzlich nicht mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen, solange du die Aufsichtspflicht einhältst. Bei bewusstem Verstoß gegen Vorschriften, etwa einen als aggressiv bekannten Hund ohne Leine laufen zu lassen, kann Fahrlässigkeit vorliegen. Dann sind Bußgelder, Auflagen oder strafrechtliche Verfahren möglich. Auch in zivilrechtlicher Hinsicht kann ein Opfer dann Schadensersatz fordern.
#7 Schmerzensgeld und Schadensersatz
Die Höhe des Schmerzensgeldes hängt von der Schwere der Verletzung, den Folgen für das Opfer und deinem Verschulden ab. Leichte Bissverletzungen beginnen bei etwa 100 Euro, während schwerere Fälle weit über 50.000 Euro liegen können. Dazu kommen Behandlungskosten, Verdienstausfall oder psychologische Betreuung. Eine Tierhalter*innenhaftpflichtversicherung übernimmt diese Kosten im Rahmen des Vertrags, sofern keine Ausschlüsse bestehen. Meistens wird ein Gutachten den Einzelfall entscheiden.
Lesetipp: Wenn es dich nervt, dass dein Hund ständig bellt, solltest du dir einmal diese Hunderassen anschauen!
#8 Hunderaufereien: Was passiert nach der Verletzung deines Hundes?
Wenn Hunde aufeinandertreffen, kann aus einem harmlosen Spiel schnell eine Rauferei entstehen. Wird dein Hund dabei verletzt, steht zuerst die medizinische Versorgung im Mittelpunkt. Selbst kleine Bisswunden können sich entzünden, deshalb solltest du immer eine Praxis aufsuchen. Rechtlich gilt ein verletzter Hund als Sachschaden. Das bedeutet: Es geht nicht um Schmerzensgeld, sondern um die Erstattung der Behandlungskosten. Wichtig ist, alle Rechnungen aufzubewahren und den Vorfall möglichst genau zu dokumentieren. Fotos, Zeug*innenaussagen oder Kontaktdaten der anderen Hundehalter*innen können später entscheidend sein. Medizinische Kosten dürfen dabei auch höher ausfallen als der reine „Wert“ des Hundes, weil Gerichte anerkennen, dass Tiere keine gewöhnlichen Gegenstände sind.
#9 Wer haftet nach einer Hunderauferei?
Nach der Versorgung deines Hundes geht es um die rechtliche Klärung. Grundsätzlich haften Hundehalter*innen für Schäden, die ihre Tiere verursachen. Bei einer Hunderauferei wird jedoch oft geprüft, ob beide Hunde beteiligt waren und sich damit eine sogenannte Tiergefahr auf beiden Seiten verwirklicht hat. In solchen Fällen kann die Haftung dann aufgeteilt werden. Entscheidend ist, ob einer der Halter*innen seine Aufsichtspflicht verletzt hat, etwa durch eine fehlende Leine oder Missachtung örtlicher Regeln. Dann kann die Verantwortung vollständig bei dieser Person liegen. Anspruchsgegner*innen können andere Halter*innen, eine verantwortliche Aufsichtsperson oder die jeweilige Hundehaftpflichtversicherung sein.
Hundehaftpflicht vs. Tierkrankenversicherung
Nach einem Hundebiss oder einer Hunderauferei taucht schnell die Frage auf, welche Versicherung eigentlich zahlt. Viele verwechseln hier Tierhalter*innenhaftpflicht und Tierkrankenversicherung, obwohl beide völlig unterschiedliche Aufgaben haben. Die Tierkrankenversicherung ist für deinen eigenen Hund da. Sie übernimmt, je nach Tarif, Kosten für medizinische Behandlungen, Operationen oder Nachsorge, unabhängig davon, wie die Verletzung entstanden ist. Die Hundehaftpflicht funktioniert genau andersherum: Sie springt ein, wenn dein Hund bei anderen einen Schaden verursacht. Dazu gehören Verletzungen von Menschen, Schäden an fremden Tieren oder Sachschäden. Sie schützt also dich vor finanziellen Forderungen. Gerade nach einer Rauferei können beide Versicherungen eine Rolle spielen – die eine für die Versorgung deines Hundes, die andere für mögliche Ansprüche der Gegenseite. Welche Kosten letztlich übernommen werden, hängt davon ab, wer rechtlich verantwortlich ist.
Tipps für Hundehalter*innen
Als Halter*in solltest du die Versicherungspflicht in deinem Bundesland kennen und sicherstellen, dass dein Hund umfassend versichert ist. Achte darauf, dass die Police auch im Ausland greift und bei bestimmten Rassen keine Ausschlüsse bestehen. Halte deinen Hund immer unter Kontrolle, besonders bei Begegnungen mit anderen Hunden oder in öffentlichen Bereichen. Im Schadensfall solltest du Ruhe bewahren, Wunden versorgen, Beweise sichern und den Versicherer informieren.