Leinenpflicht, Hundeführerschein & Co.: Was sich jetzt für dich und dein Tier ändert

Wer ein Haustier hat, muss Verantwortung zeigen. Nicht umsonst gibt es für Hundebesitzer*innen Regeln zur Leinenpflicht, im Nahverkehr oder den Führerschein

In Deutschland gibt es wichtige Regeln für Leinenzwang, Maulkörbe, Nah- und Fernverkehr.
Quelle: IMAGO / Cavan Images

In manchen Bundesländern ist der Hundeführerschein jetzt Pflicht. Wer ihn nicht hat, riskiert nicht nur ein Bußgeld, sondern darf im Zweifel gar keinen Hund mehr halten. Wir zeigen dir, ob du betroffen bist und welche Regeln für Leine, Maulkorb und Co. jetzt noch wichtig werden.

Fangen wir mit der wichtigsten Frage an: Wo ist der Hundeführerschein bereits Pflicht?

Bremen führt den Hundeführerschein ein 

Bremen zieht nach Niedersachsen nach und führt den Hundeführerschein ein.
Quelle: IMAGO / Bihlmayerfotografie
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Wer in Bremen ab dem 1. Juli 2026 einen Hund bei sich aufnimmt, muss Köpfchen beweisen: Das Bundesland hat einen verpflichtenden Hundeführerschein eingeführt. Die Regelung betrifft alle neuen Hundehalter*innen und soll einen verantwortungsvollen Umgang mit den Vierbeinern sicherstellen. Wer seinen Hund bereits vor diesem Stichtag besaß, ist von der Pflicht befreit. Als Vorbild dient Niedersachsen, wo es einen solchen Sachkundenachweis schon seit 2013 gibt.

Die Prüfung in Bremen gliedert sich in einen Theorie- und einen Praxisteil. In der Theorie werden Wissen zu Haltung, Erziehung und Verhalten abfragt, später muss die praktische Prüfung innerhalb des ersten Jahres nach Anschaffung des Hundes erfolgen. Wer die neue Pflicht ignoriert, muss mit hohen Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro rechnen.

Ausnahmen gibt es unter anderem für Tierärzt*innen, Jäger*innen und Halter*innen von Blindenführhunden. Für die Zulassung zur praktischen Prüfung muss der Hund mindestens ein Jahr alt, gechippt, geimpft und haftpflichtversichert sein.

NRW erwägt verpflichtenden Hundeführerschein

Mehr Sicherheit für Hundehalter*innen: NRW diskutiert Sachkundenachweis.
Quelle: IMAGO / David Ebener

Die SPD in Nordrhein-Westfalen fordert Mitte September einen verpflichtenden Hundeführerschein für neue Hundebesitzer*innen, um Tierheime zu entlasten und den Umgang mit Hunden zu verbessern. „Wir brauchen ein praktikables Konzept, zum Wohl der Hundehalter*innen, aber auch, um Tierheime zu entlasten.“, erklärt Fraktionsvorsitzender Jochen Ott.
Hundetrainer Martin Rütter unterstützt den Antrag und schlägt Wochenendkurse für den Sachkundenachweis vor: „Unsere Befragungen, selbst unter langjährigen Hundebesitzenden, zeigen, dass viele Menschen nicht wissen, wie sie mit ihrem Hund richtig umgehen. Die bisherigen Tests reichen nicht aus, um zu erkennen, ob jemand dazu geeignet ist, einen Hund zu halten.“ Die Kosten für den Führerschein, zwischen 100 und 150 Euro, sollen direkt den Tierheimen zugutekommen.
Ab einem festgelegten Stichtag soll der Nachweis für alle neuen Hundehalter*innen verpflichtend sein, auch bei der Anschaffung eines weiteren Hundes. Ziel ist es, Überforderung zu vermeiden und skrupellosen Welpenhandel einzudämmen.
Expert*innen sehen rechtliche Herausforderungen bei der Umsetzung, insbesondere bei der Rolle der Tierheime als alleinige Ausstellungsstellen. Das Thema wird im Landtag weiter diskutiert. Martin Rütter betont jedoch die Dringlichkeit: „So wie jetzt kann es nicht weitergehen. Dann steht der Tierschutz irgendwann vor dem Kollaps. Auch weil überforderte Hundebesitzende ihre Tiere dann in Tierheime abgeben, weil sie nicht weiterwissen.“

Auch beim Reisen im Auto gibt es für Tierbesitzer*innen neue Pflichten:

Neue EU-Regeln für Haustier-Reisen: Fünf Tiere pro Auto sind die Grenze

Wer mit Hund, Katze oder Frettchen ins Ausland reist, muss sich auf präzisere EU-Vorgaben einstellen.
Quelle: IMAGO / Zoonar

Wer mit Hund, Katze oder Frettchen ins Ausland reist, muss sich auf präzisere EU-Vorgaben einstellen. Laut ADAC gelten seit 2026 neue Regeln für die private Mitnahme von Haustieren. Ziel der Verordnung ist es, Tierseuchen besser zu verhindern oder zu bekämpfen.

Besonders wichtig für Urlauber*innen und Halter*innen mehrerer Tiere: Pro Fahrzeug dürfen im privaten Reiseverkehr höchstens fünf Haustiere mitgenommen werden. Die Grenze gilt auch bei Umzügen. Wer mehr Tiere transportiert, muss strengere rechtliche Anforderungen erfüllen. Ausnahmen gibt es weiterhin etwa für Turniere oder Shows, wenn passende Nachweise vorliegen.

Unverändert bleibt: Für Reisen innerhalb der EU braucht jedes Tier einen gültigen Heimtierausweis. Bei Einreisen aus Nicht-EU-Staaten ist weiterhin ein Gesundheitszeugnis nötig. Außerdem müssen Haustiere eindeutig gekennzeichnet sein, meist per Mikrochip, und einen gültigen Tollwut-Impfschutz haben.

Seit 1. Oktober 2026 sind diese neue Tiergesundheitsbescheinigungen zu Mitnahme von höchsten fünf Tieren vorgeschrieben.

Ab 1. Januar 2028 werden aktualisierte Heimtierausweise und neue ID-Vorgaben verbindlich.

Leinenpflicht in Deutschland: Regeln und Brutzeiten im Blick

Wer in Deutschland gegen den Leinenzwang verstößt, muss Bußgelder bezahlen.
Quelle: IMAGO / Michael Gstettenbauer

In Deutschland ist die Leinenpflicht für Hunde nicht einheitlich geregelt, sondern liegt in der Hand der Bundesländer und Kommunen. Während in manchen Städten in Fußgängerzonen oder Parks das ganze Jahr über strikter Leinenzwang gilt, regeln viele Bundesländer vor allem die sogenannte Brut- und Setzzeit.

Diese kritische Periode erstreckt sich in den meisten Regionen vom 1. April bis zum 15. Juli. In diesem Zeitraum müssen Hunde im Wald und in der freien Landschaft konsequent an der Leine geführt werden. Die Regelung dient dem Schutz von Wildtieren und am Boden brütenden Vögeln, die durch stöbernde Hunde leicht aufgeschreckt oder verletzt werden können. Niedersachsen und Bremen greifen hier besonders streng durch, während andere Länder flexiblere Vorgaben machen. Die Strafen belaufen sich meist auf ein Bußgeld von 50 bis 150 Euro. Die Strafgelder bei einem Verstoß in der Fußgängerzone belaufen sich meistens auf 35 bis 100 Euro, wenn du einen so genanten Listenhund ohne Leine führst können sogar bis zu 300 Euro anfallen und wer die Leine auf Spielplätzen oder Friedhöfen vergisst, muss bis zu 300 Euro berappen. 

In vielen Grünanlagen weisen Schilder Hundehalter*innen darauf hin, dass ihre Tiere an die Leine müssen. In Nordenham sind solche Hinweistafeln aber offenbar nicht überall zuverlässig vorhanden: Am alten Bahndamm fehlen Schilder, die auf den Leinenzwang aufmerksam machen. Für die Rechtslage ändert das jedoch nichts. Auch wenn ein Schild verschwunden ist, bleibt die Anleinpflicht bestehen. Hundehalter*innen können sich also nicht darauf verlassen, dass fehlende Hinweise automatisch freie Bahn bedeuten.

Das kann im Alltag schnell teuer werden: Wer seinen Hund in einer betroffenen Grünanlage frei laufen lässt, muss trotz fehlender Beschilderung mit einem Bußgeld rechnen. Für Spaziergängerinnen heißt das: Lieber vorher informieren, welche Vorschriften in der jeweiligen Grünanlage gelten – und den Hund im Zweifel anleinen. Lesetipp: Welche Regeln können Vermieter bei Hunden durchsetzen? 

Regeln und Bußgelder im Nah- und Fernverkehr

Im Nah- und Fernverkehr gibt es spezielle Regeln für Hunde.
Quelle: IMAGO / Action Pictures

Wer mit Hund in Bus und Bahn reist, muss bundesweit klare Regeln beachten. Kleine Vierbeiner reisen kostenlos, sofern sie sich sicher in einer geschlossenen Transportbox befinden. Größere Hunde benötigen dagegen eine eigene Fahrkarte: Im Fernverkehr der Deutschen Bahn zahlen sie den halben Fahrpreis, im Nahverkehr meist den Kindertarif des jeweiligen Verkehrsverbundes.

Für alle größeren Hunde gilt an Bord zudem eine strikte Leinen- und Maulkorbpflicht. Wer ohne gültiges Ticket für das Tier erwischt wird, muss mit einem erhöhten Beförderungsentgelt von mindestens 60 Euro rechnen – im Fernverkehr kann dieser Betrag je nach Strecke noch deutlich höher ausfallen. Bei Missachtung der Maulkorbpflicht droht im schlimmsten Fall der sofortige Ausschluss von der Weiterfahrt an der nächsten Haltestelle. Ausgenommen von all diesen Pflichten sind lediglich zertifizierte Assistenzhunde, die immer kostenfrei und ohne Maulkorb mitreisen dürfen.

Lufthansa-Tochter ITA erlaubt jetzt auch große Hunde in der Kabine

Ab sofort sind bei der ITA große Hunde im Flugzeug erlaubt.
Quelle: IMAGO / NurPhoto

Ab dem 3. August 2026 dürfen bei ITA Airways auch größere Hunde in der Kabine mitreisen – ohne Transportbox. Möglich wird das durch eine Lockerung der italienischen Luftfahrtbehörde ENAC. Bislang mussten größere Tiere in den Frachtraum, während nur kleinere Hunde bei ihren Besitzer*innen sitzen durften. Der neue Zusatzservice heißt „Large Dog on Board“ und gilt zunächst nur auf ausgewählten Inlandsflügen. Pro Flug sind zwei größere Hunde erlaubt: ein Tier bis 30 Kilogramm in der Business Class und ein weiteres bis 15 Kilogramm in der Economy Class. Gebucht werden muss der Service mindestens vier Tage vor Abflug über das Kundenservicezentrum der Airline  Statt in einer Box müssen sie während des gesamten Fluges mit einem Geschirr gesichert sein. Passagier*innen mit Angst vor Hunden oder Allergien dürfen laut Airline den Sitzplatz wechseln. Der ENAC-Beschluss stammt aus dem November 2025. Vorausgegangen war ein ITA-Testflug im September 2025. Aeroitalia testete im Februar 2026 ebenfalls Flüge mit größeren Hunden, hält aber bislang an den alten Regeln fest.

Pinterest Pin Wenn du in diesem Bundesland wohnst, musst du ab sofort einen Hundeführerschein haben!