Schnake, Weberknechte, Stechmücke und Co.: Alles was du wissen musst
Schnake, Weberknecht oder was jetzt? Erfahre alles über die nützlichen Untermieter, warum sie Beine verlieren und wie du sie nach draußen beförderst.
Ob an der Zimmerdecke oder an der Hauswand: Langbeinige Besucher sorgen oft für Gänsehaut. Aber wer ist eigentlich nützlich und wer völlig harmlos? In diesem Artikel klären wir die wichtigsten Mythen: Warum werfen Weberknechte ihre Beine ab, wenn man sie berührt? Können Schnaken wirklich stechen oder sind sie völlig friedlich? Wir zeigen dir, warum diese Tiere im Haushalt echte Helfer sind und mit welchen einfachen Tricks du sie ganz entspannt und lebendig nach draußen beförderst.
Der direkte Vergleich: Schnake, Weberknecht und Stechmücke
Um die Tiere nicht zu verwechseln, hilft ein Blick auf die Details. Die Stechmücke ist klein, besitzt einen Saugrüssel und sechs Beine. Im Gegensatz dazu ist die Schnake deutlich größer und hat extrem lange Beine, besitzt aber keinen Stechrüssel – sie kann also nicht stechen. Beide haben Flügel und gehören zu den Insekten. Der Weberknecht hingegen ist ein Spinnentier mit acht Beinen und ohne Flügel. Sein Körper besteht aus einer einzigen runden Einheit, während Insekten einen dreigeteilten Körper haben. Er baut keine Netze und ist, genau wie die Schnake, für den Menschen absolut ungefährlich.
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Nicht verwechseln: Die Zitterspinne
Ein häufiger Gast in unseren Zimmerecken ist die Zitterspinne. Sie wird oft für einen Weberknecht gehalten, gehört aber einer anderen Familie an. Der einfachste Unterschied: Zitterspinnen bauen große, unordentliche Netze, während Weberknechte keine Seide produzieren können. Berührt man das Netz der Zitterspinne, beginnt sie, sich extrem schnell hin und her zu wiegen, daher ihr Name. Im Gegensatz zum Weberknecht ist ihr Körper deutlich zweigeteilt und sie besitzt Giftdrüsen, um Beute zu machen. Für Menschen ist sie dennoch völlig harmlos. Sie ist sogar eine nützliche Mitbewohnerin, da sie aktiv andere Spinnen und Insekten im Haus jagt und so den Bestand reguliert.
Ökologischer Nutzen in Haus und Garten
Obwohl sie oft als störend empfunden werden, erfüllen diese Tiere wichtige Aufgaben. Der Weberknecht ist ein nützlicher Allesfresser: Er ernährt sich von toten Insekten, Milben und kleinen Pflanzenschädlingen, wodurch er wie eine natürliche Reinigungstruppe auf der Terrasse oder im Keller wirkt. Die Schnake wiederum spielt vor allem im Garten eine Rolle. Ihre Larven helfen im Boden beim Zersetzen von organischem Material, und die ausgewachsenen Tiere sind eine unverzichtbare Nahrungsquelle für Vögel und Fledermäuse. Selbst die Stechmücke hat ihren Platz im Kreislauf als Nahrung für Libellen und Fische. Wer diese Tiere toleriert, unterstützt ein funktionierendes Ökosystem.
Warum verlieren Weberknechte ihre Beine?
Ein markantes Merkmal des Weberknechts ist die Fähigkeit zur sogenannten Autotomie. Wenn ein Fressfeind oder ein Mensch den Weberknecht an einem Bein packt, kann dieser das Gliedmaß an einer biologischen Sollbruchstelle gezielt abwerfen. Das abgetrennte Bein zuckt aufgrund von Nervenimpulsen noch einige Zeit eigenständig weiter. Dieser Mechanismus dient der Ablenkung: Während der Angreifer durch das zuckende Bein irritiert wird, kann der Weberknecht auf den verbliebenen Beinen flüchten. Da die Beine nicht nachwachsen, ist das Tier zwar dauerhaft beeinträchtigt, kann aber auch mit sechs oder sieben Beinen meist problemlos weiterleben und jagen.
Mythos Stechgefahr: Ist Angst unbegründet?
Die Angst vor Schnaken und Weberknechten beruht meistens auf ihrer beeindruckenden Beinlänge. Viele Menschen glauben fälschlicherweise, dass Schnaken besonders giftige Riesenstiche verursachen. Anatomisch ist das jedoch unmöglich: Schnaken besitzen gar keine Stechwerkzeuge; sie ernähren sich von Wasser oder Nektar. Auch der Weberknecht wird oft für gefährlich gehalten. Er besitzt zwar Kieferklauen, diese sind jedoch viel zu schwach, um die menschliche Haut zu durchdringen. Zudem fehlt ihm im Gegensatz zu Webspinnen eine Giftdrüse. Beide Tiere sind also völlig wehrlos gegen uns und für Menschen sowie Haustiere absolut harmlos.
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Die Glas-Pappe-Methode: Sicher für Flügel und Beine
Egal ob Schnake oder Weberknecht: Die Glas-Pappe-Methode ist der sicherste Weg, die Tiere sanft zu entfernen. Bei der Schnake wartest du, bis sie an einer glatten Fläche landet, und stülpst ein weites Glas vorsichtig über sie, um ihre empfindlichen Flügel nicht zu knicken. Beim Weberknecht ist noch mehr Ruhe gefragt: Da er bei kleinstem Druck seine Beine abwirft, schiebst du ein dünnes Blatt Papier oder einen flachen Karton ganz langsam unter das Glas. Achte dabei genau darauf, keines der acht Beine einzuklemmen. Sobald das Tier im Glas eingeschlossen ist, kannst du es sicher und ohne direkten Körperkontakt nach draußen transportieren.
Wenn es schnell gehen muss: Die Fehler musst du unbedingt vermeiden
Oft reagieren wir panisch, wenn eine Schnake hektisch durch den Raum fliegt oder ein Weberknecht plötzlich über das Sofa flitzt. Der größte Fehler ist es, in dieser Situation zum Staubsauger oder zur Fliegenklatsche zu greifen. Das Einsaugen überleben die Tiere meist nicht, und das Erschlagen hinterlässt dazu auch noch schwer zu entfernende Flecken auf Tapeten. Sollte ein Tier an einer schwer erreichbaren Stelle sitzen, wie etwa in einer hohen Zimmerecke, hilft ein spezieller Insektenfänger mit Teleskopstiel. Wer ruhig bleibt und kurz abwartet, bis das Tier an eine flache Wandstelle krabbelt, schont nicht nur das Lebewesen, sondern spart sich auch das anschließende Putzen der Wände.
Der richtige Ort zum Freilassen
Das Ziel ist es, dass die Tiere draußen auch eine Überlebenschance haben. Eine Schnake setzt du am besten in der Nähe von Büschen oder hohem Gras aus, wo sie vor Wind und direkter Sonne geschützt ist. Weberknechte fühlen sich an rauen Hauswänden, unter Dachvorsprüngen oder in schattigen Gartenbereichen wohl. Vermeide es, die Tiere bei starkem Regen oder Frost direkt ins Freie zu setzen – in solchen Fällen ist ein geschützter Balkon oder eine offene Garage der bessere Ort. So stellst du sicher, dass dein kleiner Mitbewohner nicht nur aus der Wohnung raus ist, sondern draußen auch seinen Platz im Ökosystem findet.
Prävention: So bleiben die Gäste draußen
Der beste Weg, um Schnaken und Weberknechte nicht ständig fangen zu müssen, ist sie gar nicht erst reinzulassen. Ein klassisches Fliegengitter ist hier die effektivste Lösung, da es nicht nur Stechmücken, sondern auch die ungeliebten Langbeiner fernhält.
Da Schnaken von Licht angezogen werden, hilft es schon, beim Lüften am Abend das Licht im Zimmer auszuschalten. Weberknechte hingegen suchen oft über Ritzen in Mauerwerken oder Fensterspalten Schutz vor der Hitze oder Kälte. Wenn du diese kleinen Durchgänge abdichtest, reduzierst du die Zahl deutlich.
Faszinierende Biologie? Das sind die Superkräfte der Insekten
Um in der Natur zu überleben, haben diese Tiere besondere Strategien entwickelt. Der Weberknecht nutzt neben dem Beinabwurf oft das „Zittern“: Er schwingt bei Gefahr so schnell in seinem Versteck, dass seine Umrisse für Angreifer unsichtbar werden. Zudem besitzt er keine Augen wie wir, sondern nimmt über feine Härchen an den Beinen Erschütterungen und chemische Reize wahr – er tastet und „riecht“ sich also durch seine Welt. Schnaken wiederum nutzen ihre Halteren, kleine Schwingkölbchen unter den Flügeln, um selbst bei Wind stabil zu fliegen.