Deswegen isst dein Haustier seinen eigenen Kot

Erst einmal ist es wichtig, um was für ein Haustier es sich dabei handelt, denn bei manchen Tieren ist das ganz „normal“:

Dass Tiere ihren eigen Kot fressen, ist für Menschen eventuell etwas befremdlich.
Quelle: IMAGO / Panthermedia

Haustiere bringen uns Freude, Gesellschaft und manchmal auch ein bisschen Chaos ins Leben. Doch nicht alles, was sie tun, entspricht unseren menschlichen Vorstellungen von „sauber“ oder „appetitlich“. Manche ihrer Verhaltensweisen erscheinen uns eher befremdlich, wie beispielsweise das Essen von Kot.

Viele Haustiere essen ihren eigenen Kot. Aber wieso eigentlich?
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#1 Was ist Koprophagie?

Für viele Menschen ist der Gedanke ekelerregend: Haustiere, die ihren eigenen Kot fressen. Dabei handelt es sich nicht um ein Fehlverhalten, sondern um ein biologisches Phänomen, das in der Tierwelt weit verbreitet ist. Während wir Menschen instinktiv Abstand davon nehmen, nutzen viele Tierarten Exkremente, um lebenswichtige Nährstoffe zurückzugewinnen. Besonders bei Pflanzenfressern ist das normal, denn ihre Nahrung enthält oft schwer verdauliche Bestandteile. Dieses Verhalten wird wissenschaftlich als Koprophagie bezeichnet. Das Verhalten ist instinktiv und evolutionär sinnvoll. 

Kaninchen und Nager fressen ihren Kot aus dem Blinddarm. Er hat für sie sehr wichtige Nährstoffe.
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#2 Koprophagie bei Nagerarten

Speziell bei Kaninchen, Meerschweinchen oder Chinchillas enthält der sogenannte Blinddarmkot – auch Caecotroph genannt – Nährstoffe, die beim ersten Verdauungsvorgang nicht vollständig aufgenommen wurden. Diese Exkremente sind weich, proteinreich und voller Vitamine, besonders B-Vitamine. Durch den Verzehr dieses Kots sichern die Tiere nicht nur ihre Nährstoffaufnahme, sondern unterstützen auch ihre Darmflora. Anders als der normale, trockene Kot wird der Blinddarmkot gezielt produziert und innerhalb weniger Stunden wieder gefressen. 

Auch Elefanten fressen ihren Kot.
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#3 Koprophagie bei Elefanten und Nilpferden

Nicht nur kleine Nager greifen auf diese Methode zurück. Auch große Tiere wie Elefanten und Nilpferde zeigen Koprophagie. Besonders junge Elefanten fressen den Kot der Mutter, um essentielle Darmbakterien und zusätzliche Nährstoffe zu erhalten. Diese Bakterien helfen bei der Verdauung von pflanzlicher Nahrung, die schwer verdaulich sein kann. Bei Nilpferden wird der Kot gelegentlich von Jungtieren oder sogar Erwachsenen aufgenommen, um die Verdauung zu verbessern und wichtige Mineralstoffe zurückzugewinnen. 

Es gibt Gründe, wieso Hunde ihren eigenen Kot fressen.
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#4 Hunde und Koprophagie

Hunde unterscheiden sich in der Koprophagie von Nagern und Elefanten. Während andere Arten es vor allem aus Nährstoffgründen tun, fressen Hunde Kot oft aus Langeweile, Stress oder aus Neugier. Einige Hunderassen zeigen dies stärker, wenn sie allein gelassen werden oder wenig mentale Anregung haben. In seltenen Fällen kann ein Nährstoffmangel vorliegen, zum Beispiel ein Defizit an Enzymen oder Mineralstoffen. Hundehalter*innen sollten das Verhalten beobachten und bei häufigem Auftreten Hilfe konsultieren. Training und Beschäftigung können helfen, die Gewohnheit zu reduzieren. Anders als bei Nagern oder Elefanten ist die Koprophagie beim Hund selten notwendig für die Gesundheit. Dennoch ist sie ein natürliches Verhalten, das sich aus dem Instinkt ableitet.

Es gibt verschiedene Formen von Koprophagie.
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#5 Autokoprophagie vs. Allokoprophagie

Neben dem eigenen Kot nehmen manche Tiere auch Exkremente anderer Arten auf. Dieses Verhalten nennt man Allokoprophagie. Es ist besonders bei Insekten wie Fliegen verbreitet, aber auch einige Säugetiere nutzen fremde Exkremente, um fehlende Nährstoffe zu ergänzen. In der Wildnis kann Kot anderer Tiere wichtige Proteine, Mineralien oder Darmbakterien liefern. Das erhöht die Überlebenschancen, insbesondere in Nahrungsarmen Zeiten. Bei Primaten wurden ähnliche Muster beobachtet: Junge Tiere imitieren Erwachsene, wodurch sie lernen, welche Exkremente essbar sind. Auch Hunde zeigen manchmal diesen Trend, besonders wenn sie nicht ausreichend ernährt werden.

Koprophagie hat einen evolutionären Hintergrund.
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#6 Ursprung und Evolution der Koprophagie

Koprophagie ist ein uraltes Verhalten in der Tierwelt und hat sich evolutionär entwickelt. Schon bei frühen Säugetieren, Nagetieren und Vögeln wurde das Verhalten beobachtet, um Nährstoffe effizienter zu nutzen. Vor Millionen Jahren hatten Tiere oft eine einseitige Ernährung und mussten jede Energiequelle maximal ausnutzen. Der Verzehr von Kot half, die Aufnahme von Proteinen, Vitaminen und wichtigen Darmbakterien zu sichern. Auch heute noch zeigt sich diese Anpassung bei vielen Arten, insbesondere bei Pflanzenfressern. Evolutionär betrachtet handelt es sich um eine intelligente Strategie, um Überlebenschancen zu erhöhen und Wachstums- und Fortpflanzungsprozesse zu unterstützen. 

Koprophagie hat auch Einwirkungen auf das Sozialverhalten der Tiere.
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#7 Koprophagie als Kommunikations- und Sozialverhalten

Wusstest du, dass Kot nicht nur Nahrung, sondern auch ein soziales Signal sein kann? Bei einigen Tierarten, vor allem bei Primaten und Nagetieren, spielt Exkrementen-Aufnahme eine Rolle in der sozialen Hierarchie. Jungtiere fressen manchmal den Kot dominanter Tiere, um sich deren Geruchsprofile einzuprägen, das erleichtert dann die Akzeptanz in der Gruppe. Auch bei Wölfen und Hunden kann das Schnüffeln oder kurze Probieren von Kot als Informationsaufnahme dienen: Alter, Gesundheitszustand und Paarungsbereitschaft werden so „erkannt“. In freier Wildbahn funktioniert Kot quasi wie eine biologische Nachricht. Das erklärt, warum manche Tiere selbst den Kot anderer Arten oder Artgenossen aufnehmen, obwohl sie eigentlich genug Nahrung haben. 

Wie wird die Tierpflege auf die Koprophagie angepasst?
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#8 Koprophagie in der Tierpflege

In Zoos und Tierparks wird Koprophagie genau beobachtet. Tierpfleger*innen nutzen dieses Verhalten, um die Gesundheit von Tieren zu überwachen. Eine veränderte Aufnahme von Kot kann auf Krankheiten, Verdauungsprobleme oder Nährstoffdefizite hinweisen. Bei einigen Tierarten wird gezielt Blinddarmkot gesammelt, um Jungtiere oder kranke Tiere zu ernähren. Auch bei Rehabilitationen wilder Tiere spielt Kotaufnahme eine Rolle, um Darmflora wiederherzustellen. Zoos nutzen die Beobachtung von Koprophagie also auch als diagnostisches Werkzeug. 

Als Haustierhalter*in kannst du auch gewisse Maßnahmen ergreifen.
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#9 Risiken und Vorsichtsmaßnahmen

Nicht jede Koprophagie ist ungefährlich. Bei Hunden oder Katzen können Parasiten oder Krankheitserreger übertragen werden. Hunde, die Kot anderer Tiere fressen, sind besonders gefährdet, da der Kot nicht steril ist. Halter*innen sollten beobachten, wie oft das Verhalten vorkommt und gegebenenfalls Rat einholen. Hygiene spielt eine wichtige Rolle: Kotreste sollten entfernt werden, um Infektionen zu vermeiden. 

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